de.gmbhBau
Bau · Unterschiede

Was ist der Unterschied zwischen Kostenschätzung und Kostenvoranschlag?

Beide Papiere sehen ähnlich aus und binden verschieden stark. Der Unterschied wird meist erst wichtig, wenn die Schlussrechnung deutlich über dem liegt, womit gerechnet wurde.

Was ist der Unterschied zwischen Kostenschätzung und Kostenvoranschlag?Bild: KI-erzeugt
Kurz gesagt

Die Kostenschätzung ist eine grobe Größenordnung ohne Bindung. Der Kostenvoranschlag beruht auf einer Kalkulation, und eine wesentliche Überschreitung muss dem Besteller unverzüglich angezeigt werden.

Die Kostenschätzung

Sie nennt eine Größenordnung auf Grundlage von Erfahrungswerten, etwa Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Sie ist unverbindlich und begründet keine Haftung, solange sie nicht als verbindlich bezeichnet wird. Üblich sind Abweichungen von 20 bis 30 Prozent nach oben, weil weder Baugrund noch Ausstattung feststehen. Wer auf dieser Grundlage finanziert, plant zu knapp. Sinnvoll ist sie als erste Orientierung in der Ideenphase und nicht als Grundlage eines Vertrags.

Der Kostenvoranschlag

Er beruht auf einer Kalkulation der einzelnen Leistungen und nennt die voraussichtlichen Kosten. Er ist eine fachmännisch begründete Aussage, aber keine Preiszusage. Zeigt sich während der Ausführung, dass er wesentlich überschritten wird, muss der Unternehmer das unverzüglich anzeigen. Unterlässt er die Anzeige, macht er sich schadensersatzpflichtig. Der Besteller darf in diesem Fall kündigen und schuldet nur die bis dahin erbrachte Leistung.

Wann eine Überschreitung wesentlich ist

Eine feste Grenze nennt das Gesetz nicht. Die Rechtsprechung zieht sie regelmäßig bei etwa 15 bis 20 Prozent, abhängig vom Umfang des Auftrags. Bei kleinen Aufträgen wird großzügiger gemessen, bei großen strenger. Maßgeblich ist die Gesamtsumme, nicht die einzelne Position. Wer als Betrieb unsicher ist, zeigt lieber einmal zu viel an, denn die Anzeige kostet nichts und schützt vollständig.

Was das Angebot davon unterscheidet

Ein Angebot ist eine verbindliche Willenserklärung. Wird es angenommen, ist der Preis vereinbart und gilt unabhängig von der tatsächlichen Kalkulation. Deshalb ist die Bezeichnung des Papiers wichtig. Steht Angebot darüber und wird es angenommen, ist der Preis fest. Steht Kostenvoranschlag darüber, bleibt er eine Prognose mit Anzeigepflicht.

Ob ein Kostenvoranschlag Geld kosten darf

Im Zweifel ist er nicht zu vergüten. Eine Vergütung kann aber vereinbart werden, und bei aufwendigen Vorarbeiten ist das üblich.

Sinnvoll ist eine Regelung, nach der die Kosten bei Auftragserteilung angerechnet werden. Das ist bei Aufmaß und Planung der Regelfall.

Für Bauherren lohnt es, mindestens 3 Angebote einzuholen und auf gleicher Grundlage zu vergleichen. Ohne einheitliche Leistungsbeschreibung vergleicht man verschiedene Leistungen.

Die Preisspanne bei gleicher Leistung liegt in der Praxis häufig bei 20 bis 40 Prozent, und der billigste Anbieter ist nicht immer der günstigste.

Für die Finanzierung sollte ein Puffer von 10 bis 15 Prozent eingeplant werden. Er deckt Nachträge und Baupreissteigerungen während der Bauzeit.

Wer diesen Puffer nicht hat, muss im laufenden Bau nachfinanzieren, und das ist teurer als jede von Anfang an eingeplante Reserve.

Zu unterscheiden ist zuletzt der Kostenvoranschlag des Handwerkers von der Kostenberechnung des Architekten. Letztere folgt der Gliederung der Kostengruppen und umfasst auch Baunebenkosten, die in einem Handwerkerangebot naturgemäß fehlen. Wer beide Zahlen nebeneinanderlegt, vergleicht zwei verschiedene Umfänge und wundert sich über eine Abweichung von 20 Prozent, die keine ist.

Quellen
  1. § 632 BGB, Vergütung (Gesetze im Internet)
  2. § 631 BGB, Vertragstypische Pflichten beim Werkvertrag (Gesetze im Internet)
Stand: 2026-08-15. Rechtsstand Deutschland, keine Rechtsberatung im Einzelfall.